Yoga – a school for life, Grey Rebel – the motto
- 25. März 2024
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Jan.
Fabian Ruch – sports journalist, founder and editorial director of the women’s sports magazine SPORTLERIN – writing a portrait about a grey rebel teaching yoga, an intimate moment with Bruce Springsteen and the Swiss Heart Foundation.

Achtsam und gesund leben – hört sich so einfach und logisch an. Wer sich mit Maja Traber-Watters unterhält, erfährt viel darüber, warum es sich lohnt, gut zu sich zu schauen. Eine Begegnung mit einer faszinierenden Persönlichkeit, die auch mit 56 Jahren noch viele Pläne hat, um andere Menschen zu inspirieren.Â
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Fabian Ruch über Maja Traber-Watters
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Vielleicht ist das ein Moment absoluter innerer Ruhe und Einkehr. Als Hintergrundmusik läuft das wunderschöne Lied «Western Stars» von Bruce Springsteen, die Yoga-Lektion neigt sich dem Ende entgegen, Maja Traber-Watters führt gerade eine Übung zur Entspannung durch.Â
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Die Szene spielt in der Berner Altstadt in einem kleinen, aber feinen und mit viel Wärme ausgestatteten Raum. «Grey Rebel» nennt Maja Traber-Watters ihr Yoga-Unternehmen, was ein humorvoller Hinweis darauf ist, dass jeder Mensch älter wird – und auch darauf, dass sie ihre langen Haare mit Stolz grau trägt. Ein Zitat aus dem Film «The Intern» mit Anne Hathaway und Robert de Niro führte Maja zum Label «Grey Rebel»: «Grau ist das neue Grün!» Grau beziehe sich auch auf das vermeintliche visuelle Zeichen von Weisheit, sagt sie. «Und für mich ist Rebellin eine Lebenseinstellung, die mich neugierig, lebendig und dynamisch macht. Ich glaube an lebenslanges Lernen.»
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Genau so lebt Maja Traber-Watters auch. Im Frühling wird sie 57 Jahre alt, aber nicht nur während der Yoga-Lektion wirkt sie deutlich jünger, sie ist sportlich, fit, motivierend. Und weil das Leben für sie auch daraus besteht, immer neue Dinge kennenzulernen, hat sie sich in vielen gesundheitlichen Aspekten weitergebildet und bietet beispielsweise auch Behandlungen in Kinesiologie an – wobei sie diese Tätigkeit zu einem späteren Zeitpunkt noch stärker ausbauen will. «Ich habe mir ein breites Wissen angeeignet, das ich gerne teile», sagt Traber-Watters. Sie arbeitet bei der Schweizerischen Herzstiftung als stellvertretende Geschäftsführerin und ist verantwortlich für die Bereiche Marketing, Kommunikation und Fundraising. Das sei für sie eine sinnstiftende Tätigkeit. «Wer gesund lebt», sagt sie, «lebt nicht nur länger, sondern hat auch mehr vom Leben.»
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Breite Ausbildung, viele Tätigkeiten
Maja Traber-Watters ist viel herumgekommen in der Welt. Ihre Eltern sind aus dem früheren Jugoslawien, sie wuchs in Belgrad und dann vor allem in Lützelflüh im tiefsten Berner Emmental auf. Später lebte sie drei Jahre in London, immer wieder auch in Bern, wo sie heimisch geworden ist. Bereits mit 23 wurde sie erstmals Mutter (und ist deshalb auch längst Grossmutter), heute lebt sie mit ihrem Mann und der zweiten Tochter wieder in Bern. Sport verbindet das Trio sehr. Die Tochter war eines der grössten Golftalente der Schweiz, der Ehemann hat sich zu Hause in der Garage ein eigenes Gym inklusive Crossfitbox aufgestellt, um in Form zu bleiben. Traber-Watters wurde im Elternhaus stark von Fussball und Boxen geprägt, betrieb später unter anderem Karate – und entdeckte sehr früh Sinn und Zweck von Yoga. «Wir wuchsen in den 1980er-Jahren mit HIV und Acid Rain auf», sagt sie, «und wir wollten Weltretterinnen sein oder zumindest Weltverbesserer. Yoga schien mir vor 37 Jahren eine sehr wertvolle Sache zu sein, ein guter, sanfter Mensch zu sein.»
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Das ist auch 2024 noch so. Ein wichtiges Thema für Traber-Watters ist dabei die Atmung, die sie in allen Jahrzehnten immer trainiert hat – und deshalb unter anderem bei beiden Geburten ihrer Kinder keine Schmerzmittel nehmen musste. «Man kann mit dem Atem, wenn man es richtig und bewusst macht, sehr viel regulieren», sagt sie. Seit über dreissig Jahren hat sie sich auch immer wieder weitergebildet mit Yogakursen wie zuletzt «Yoga kennt keine Demenz», regelmässig auch im Ausland, und sich in diversen Bereichen wie «Yoga für Krebspatienten» oder «Yoga für Seniorinnen und Senioren» spezialisiert. Sie sagt: «Yoga ist eine Schule des Lebens. Es geht nicht nur um Bewegung und Fitness, sondern auch um Atmung, Ruhe, Meditation, die Kraft der Gedanken.» Nahezu jeden Morgen um 5 Uhr nimmt sie sich deshalb eine Stunde Zeit für sich, für Yoga, fürs Meditieren. «Und dann starte ich entspannt und beflügelt in den Tag.»
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Was wie ein platter Motivationsspruch klingen könnte, ist bei Maja Traber-Watters Programm. Ungefähr mit 50 Jahren habe sie zudem realisiert, dass sie mit Yoga auch anderen Menschen helfen könnte. Die «Grey Rebel»-Idee nahm Gestalt an, längst zählen unterschiedliche Personen zu ihrer Kundschaft, übrigens nicht nur Menschen mit grauen Haaren. 2019 bekam sogar die Rockband «Rammstein» vor dem Konzert in Bern eine Yogalektion von ihr.Â
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Eine Session mit Traber-Watters ist auch eine Reise in den Körper, weil sie ihre Erfahrung und ihr Wissen feinfühlig in die Übungen einfliessen lässt. Und weil nicht jede und jeder so beweglich sein kann wie jemand mit bald vier Jahrzehnten Yoga-Routine, korrigiert sie Fehlpositionen oder falsche Ausführungen mit Charme und Souveränität.Â
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Später, im Gespräch, erzählt Maja Traber-Watters aus ihrem Alltag und davon, dass sie schon immer viele Interessen gehabt habe. Sie studierte Englische Linguistik, Medienwissenschaften und Soziologie, schloss ein Nachdiplom in Wirtschaft ab sowie einen Exekutive MBA, liess sich zur PR-Fachfrau ausbilden, arbeitete untere anderem an der Uni Bern als Assistentin, in der Medienforschung, als Krisenmanagerin beim Bund, hatte ein eigenes Geschäft im Bereich Messebau und Corporate Architecture, ehe sie mit 50 Jahren ausstieg – und nicht nur bezüglich Yogalehrerin zum Entschluss kam, etwas Sinnstiftendes zu tun für den Rest ihrer beruflichen Karriere.
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Die sinnvolle Arbeit der Herzstiftung
Die Möglichkeit, bei der Schweizerischen Herzstiftung zu arbeiten, war deshalb eine Art Match. Seit fünf Jahren ist Traber-Watters «an einem tollen Ort», wie sie sagt. «Ich versuche, eine positive Sache möglichst ideal zu verkaufen. Und wenn ich Mittel beschaffe, dann ist es für einen guten Zweck und dafür, dass viele Menschen davon profitieren können.» Stress, Zeitdruck und fehlende Bewegung seien immer grössere Probleme für die Gesellschaft, deshalb sei es befriedigend, mit der Herzstiftung Aktionen zu finanzieren, die mithelfen, dass sich Menschen gesund verhalten würden. Beim Fundraising sei es stets eine besonders interessante Herausforderung, Personen dazu zu bewegen, eine Institution zu unterstützen, die sich ganz dazu verschrieben habe, einen gesunden Lebenswandel zu fördern.Â
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Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, Gönnerin und Gönner der Herzstiftung zu werden. «Es gibt viele Organisationen, die Geld sammeln», sagt Maja Traber-Watters, «und es ist logisch, dass wir mit konstruktiven Argumenten überzeugen müssen.» Sie erinnert sich noch gut daran, wie gleich bei ihrem Start bei der Herzstiftung innerhalb von zehn Tagen ein mehrstelliger Betrag aus dem Nachlass einer Person auf dem Konto lag. «Solche hohe Spenden sind aber nicht die Regel. Uns werden sehr viele kleinere Summen überwiesen, die genauso wichtig sind und mit grossem Dank entgegengenommen werden.»
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Dankbarkeit und Respekt und Wertschätzung sind Dinge, die Traber-Watters und der gesamten Herzstiftung am Herzen liegen: «Es ist berührend, wenn wir ein paar Franken von Menschen erhalten, die selbst nur knapp mit ihrer Rente leben können.» Für sie ist das Herz das ultimative Symbol des Lebens. «Es beginnt bei der Geburt zu schlagen und hört erst auf, wenn man tot ist. Dazwischen müssen wir darauf achten, dass wir gut zum Herz schauen, damit es möglichst lange schlägt.» Einige Verwandte von ihr seien an Hirnschlägen gestorben, deshalb sei es ihr ein spezielles Anliegen, darauf hinzuweisen, wie elementar ein möglichst vernünftiger Lebensstil sei, um lange gesund und selbstbestimmt leben und in Würde altern zu können.
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Klingt tatsächlich sinnvoll. Mit den Spenden finanziert die Herzstiftung zum Beispiel medizinische Forschung in kardiovaskulären Bereichen. Die Zusammenarbeit mit renommierten Ärzten und Forschern ermöglicht es der Stiftung, die vielen Gesuche nach wissenschaftlichen Kriterien zu beurteilen. «Wir konzentrieren uns auf Herz und Hirn», sagt Traber-Watters, «weil diese zwei Organe absolut entscheidend sind.» In vielen Kampagnen weist die Herzstiftung darauf hin, wie wichtig Bewegung, Schlaf, Ernährung, Achtsamkeit und Sport sind, um Herz und Hirn gesund zu halten. Maja Traber-Watters selbst ist dabei keineswegs radikal, sie gönnt sich auch mal ein Glas Wein oder ein feines Dessert. «Man muss das Leben geniessen können», sagt sie.Â
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Als junge Frau nicht immer achtsam gelebt
Maja Traber-Watters hat ihren Weg gefunden, inmitten all der Angebote und Ablenkungen des modernen Lebens bei sich zu bleiben. «Es geht immer um drei Fragen: Wer bin ich? Was will ich? Was spüre ich? Wenn man das beantworten kann, hat man schon sehr viel getan, um gesund zu leben», sagt sie. Es habe Zeiten gegeben, da sei sie unzufrieden mit sich gewesen, weil sie sich körperlich nicht wohl gefühlt habe, vor allem zwischen 20 und 30 und als junge, arbeitende und studierende Mutter sei sie oft gestresst gewesen und auch regelmässig krank – weil sie nicht gut genug zu sich geschaut habe. Spätestens mit 40 habe sie aber realisiert, dass man selbst viel beeinflussen könne, wenn man bewusst und diszipliniert lebe. «Es war ein Turnaround, der mein Leben verändert hat. Heute weiss ich genau, was mir gut tut.»
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Deshalb färbt sie auch ihre grauen Haare nicht, im Gegenteil, sie steht zu ihnen und findet, dass sie zu ihr passen würden. «Ich bin 56 und nicht 26», sagt sie. «Und es gibt keinen Grund, sich mit 56 so zu verhalten, als sei man 26.» Es sind viele Lebensweisheiten, mit denen man konfrontiert wird, wenn man sich länger mit Maja Traber-Watters unterhält. Sie ist eine faszinierende, inspirierende Persönlichkeit. Und sie sagt, es sei jedes Mal sehr schön, wenn sie spüre, dass es ihr gelungen ist, wieder einen Menschen zu inspirieren, ein wenig achtsamer zu leben.Â
Fabian Ruch würde gerne öfter ins Yoga gehen – und hat sich bei Maja Traber-Watters nicht nur wegen des Songs des grossartigen Bruce Springsteen sehr wohl gefühlt. Er treibt viel Sport, vor allem Fussball, Golf und Tennis, und ist sehr regelmässig im Gym. Trotzdem lebt er nicht immer so bewusst, wie es sein sollte. Aber auch er findet: Man kann ein Leben lang dazulernen.
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